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Satzmodelle: Topologisches Feldermodell


In diesem Kalendertürchen geht es noch einmal um Satzmodelle: heute um das Topologische Feldermodell. Dieses Satzmodell heißt „topologisch“, weil es die räumliche Gliederung deutscher Sätze darstellt, z.B. die Reihenfolge der Satzbestandteile (Wortstellung). Im Folgenden wird der Aufbau dieses Modells kurz erklärt und an Beispielen veranschaulicht.

Ziel des Modells 

Mithilfe des Feldermodells kann die lineare Struktur von deutschen Sätzen dargestellt werden. Dazu wird der Satz in Felder unterteilt. Anhand dieser Feldereinteilung kann man die Regelmäßigkeiten des Satzbaus leicht erkennen und man kann verschiedene Satztypen gut miteinander vergleichen.

Prinzip der Satzklammer (Verbstellung)

Im Deutschen gibt es zwei Verbpositionen im Satz: infinite Verben stehen immer am Satzende; finite Verben können – je nach Satztyp – entweder an zweiter oder an letzter Stelle im Satz stehen. Diese beiden Verbpositionen rahmen den Satz ein, sie umklammern ihn sozusagen. Sie bilden die Satzklammer. Man unterscheidet zwischen dem klammeröffnenden Teil (linke Satzklammerposition) und dem klammerschließenden Teil (rechte Satzklammerposition).

  1. Linke Satzklammerposition –> nimmt in Hauptsätzen und uneingeleiteten Nebensätzen das finite Verb auf (= Verb ist konjugiert); in eingeleiteten Nebensätzen steht hier das Einleitungselement (z.B. eine Konjunktion)
  2. Rechte Satzklammerposition –> nimmt in Hauptsätzen das infinite Verb auf (= nicht konjugiert) und in eingeleiteten Nebensätzen das infinite Verb und das finite Verb gemeinsam


Aufbau des Feldermodells

Im Feldermodell gibt es in der Regel fünf Felder:

– das Vorfeld (VF),

– die linke Satzklammerposition (LSK),

– das Mittelfeld (MF),

– die rechte Satzklammerposition (RSK) und

– das Nachfeld (NF).


Die wichtigsten Felder sind, wie schon gesagt, die beiden Satzklammerpositionen (LSK und RSK). Hier befinden sich die Teile des Prädikats (das finite Verb und ggf. infinite Verben). Die Satzglieder (z.B. Subjekt, Objekte, Adverbialbestimmungen) ordnen sich um die beiden Satzklammerteile herum an – entweder davor (Vorfeld) oder dazwischen (Mittelfeld) oder danach (Nachfeld).


Besonderheiten bei der Füllung der Felder: 

  • Das Vorfeld enthält in Aussagesätzen und Konstituentenfragen genau ein Satzglied.
  • Nebensätze nehmen in dem Satz, von dem sie ein Teil sind, ein topologisches Feld ein (Vorfeld, Nachfeld oder Mittelfeld).
  • Nebensätze haben selbst ebenfalls eine topologische Struktur, können also in Felder eingeteilt werden. Die Satzklammer wird in eingeleiteten Nebensätzen durch das Einleitungselement in der LSK (z.B. Konjunktion) und das gesamte Prädikat in der RSK (finites Verb plus ggf. infinite Verben) gebildet. – Für die Analyse eines Nebensatzes ist es praktisch, ihn in eine eigene Zeile in der Feldertabelle einzutragen.
  • In Entscheidungsfragesätzen und Imperativsätzen ist das Vorfeld leer; der Satz beginnt also mit dem finiten Verb in der linken Satzklammerposition (LSK).
  • In Konstituentenfragesätzen ist das Vorfeld durch ein w-Fragewort gefüllt (z.B. wer, wie, wo, wann usw.). Das finite Verb folgt in der LSK.
  • In Satzgefügen mit nebengeordneten Sätzen (Hauptsatz + Hauptsatz) werden die verknüpfenden Konjunktionen (z.B. und, oder, doch, aber, denn, sondern) in ein eigenes Feld nur für koordinierende Konjunktionen (KOORD) eingetragen.